Maschinenvorabnahme mal anders

Die weltweite Corona-Pandemie hat unser aller Leben gehörig umgekrempelt. Nichts läuft mehr wie gewohnt. So verhindern beispielsweise allgemeine Reisebeschränkungen die Vorabnahme von Maschinen im persönlichen Beisein des Kunden. Doch was tun, wenn die neue Maschine dringend erwartet wird und aufgrund der unsicheren Lage ein Verschieben des Termins unrealistisch ist? „Online-Vorabnahme“ lautet die Antwort der IMA Schelling Group.

Ein kanadischer Kunde hatte für seine Büromöbelproduktion eine Portalbearbeitungsmaschine vom Typ BIMA Px80 E/L mit Kontourverleimung, 5-Achsbearbeitung und automatischen Rüsttischen bei der IMA Schelling Group bestellt. Auf der Anlage, die mit zwei separaten Bekantungsaggregaten für Laser und PUR-Leim, zwei Frässpindeln für die 4- und 5-Achsbearbeitung sowie mit zwei mitfahrenden und zwei stationären 18-fach Werkzeugwechslern ausgestattet ist, bearbeitet der Kunde künftig Schreibtischplatten in den unterschiedlichsten Ausführungen. Von einfachen rechteckigen und runden Platten bis hin zu individuellen Freiformen ist alles dabei.

Typischerweise werden neue Maschinen und Anlagen vor der Auslieferung an den Kunden bei der IMA Schelling Group einer Vorabnahme in Anwesenheit des Kunden unterzogen. Corona verhinderte jedoch die Reise des Kundenteams in das Werk nach Lübbecke und drohte den Zeitplan zu verzögern. Wie konnte nun also eine ordnungsgemäße Vorabnahme und damit eine fristgerechte Auslieferung der Portalbearbeitungsmaschine sichergestellt werden? „An der Vorabnahme einer Anlage hängen die nachfolgenden Versand- und Montagevorbereitungen für die Verschiffung zum Kunden. Zudem benötigen wir den Platz in unseren Hallen für nachfolgende Aufträge“, erklärt Jörg Rosemeier, Sales Manager Nord-, Mittel und Südamerika bei IMA Schelling, der auch die Idee hatte, die Portalmaschine quasi über ein Web-Meeting abzunehmen und die Maschinenapplikationen per Videokonferenz live zu demonstrieren. 

IIoT- und Serviceplattform

war der Schlüssel

„Auf der Maschine ist unsere ZIMBA.Assistance-Applikation inklusive Videopaket mit vier stationären Kameras installiert“, sagt Rosemeier. Die IIoT-und Serviceplattform unterstützt den Anwender normalerweise bei der Optimierung seiner betrieblichen Abläufe und der Verbesserung der Anlageneffizienz. So sammelt ZIMBA nicht nur maschinenbezogene Daten, sondern leitet daraus auch zielgerichtete Handlungsempfehlungen ab – vom Management bis zur Supply Chain.

Auch Servicemitarbeiter können mithilfe der Plattform Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten effizienter durchführen. Insbesondere bei der Inbetriebnahme und bei der Fehlerdiagnose hilft das Videopaket den Technikern, den Kunden bzw. die Monteure vor Ort zu unterstützen, indem sie sich online zuschalten und Live-Bilder der Maschine sehen können. Der Remote-Zugriff erfolgt über einen PC oder mobile Endgeräte wie Tablets und Mobiltelefone. Auf diese Weise kann der Nutzer auswählen, welchen Bereich der Maschine er sehen möchte: den vorderen oder hinteren Bereich jeweils links oder rechts.

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Per iPad

ganz nah ran ans Detail

Dieses Feature brachte Rosemeier auf die Idee der Online-Vorabnahme. Neben dem Videopaket der IIoT- und Serviceplattform nutzte er mit dem Vorabnahme-Team die Webex-Software für Videokonferenzen und Online-Meetings. Am Meeting nahm der Kunde mit drei Personen teil. IMA Schelling war mit drei Technikern und einem Maschinenbediener dabei. Jörg Rosemeier übernahm die Moderation des Teams. „Als Moderator konnte ich den Meeting-Teilnehmern bei Bedarf technische Zeichnungen, Datenblätter oder andere benötigte Dokumente auf die Bildschirme spielen oder mit meinem iPad direkt an den fraglichen Punkt an der Maschine gehen und die gewünschten Bereiche in Nahaufnahme zeigen“, beschreibt er seinen Part. „Entscheidend für uns war, alle Abläufe und Funktionen so darzustellen, dass der Kunde sich bei jedem Schritt wiederfand.“

Erfolgreiche Vorabnahme in nur 90 Minuten

Während der Online-Vorabnahme bearbeitete das IMA Schelling-Team auf der Portalbearbeitungsmaschine in Abstimmung mit dem Kunden mehrere Schreibtischplatten in unterschiedlichen Ausführungen und mit jeweils ganz speziellen Anforderungsprofilen. Die Plattenstärken bewegten sich in einem Bereich von 25 bis 40 Millimetern und die verwendeten Kantenmaterialien waren zwischen zwei und drei Millimeter stark. Im Anschluss an die Abnahme wurden die bearbeiteten Platten dem Kunden als Rückstellmuster zugesandt.

Nach der erfolgreichen Online-Vorabnahme konnte IMA Schelling die Maschine für den Versand vorbereiten und so Platz für neue Aufträge freimachen. Aktuell ist die Maschine auf dem Weg zum Kunden, der sie Ende Juli in Betrieb nehmen wird. Dann – sollten immer noch Reisebeschränkungen gelten – vermutlich wieder mit Online-Unterstützung aus Lübbecke.

Die gesamte Vorabnahme dauerte 90 Minuten. Kunde und IMA Schelling waren gleichermaßen angetan von Ablauf und Ergebnis und sehen diese Form der Kooperation als effiziente, hilfreiche Alternative zu einer persönlichen Abnahme. Zudem spare ein solches Online-Meeting enorm Zeit und Kosten. „Für uns war es die erste Vorabnahme dieser Art und eine wirklich positive Erfahrung. Daher können wir uns sehr gut vorstellen, unseren Kunden Online-Vorabnahmen künftig als Alternative zur persönlichen Vorort-Terminen anzubieten“, erklärt Jörg Rosemeier. 
 

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