Möbelqualität messbar machen

Das DIM – Deutsches Institut für Möbeltechnik – mit Sitz an der Technischen Hochschule Rosenheim ist spezialisiert auf die Beurteilung der Qualität von Möbeln, Beschlägen und weiteren Möbelzulieferprodukten. SOLUTION sprach mit dem Leiter des international tätigen, technisch-wissenschaftlichen Dienstleisters, Herrn Prof. Thorsten Ober, über sein Institut. 

Herr Prof. Ober, was war der Anlass für die Gründung des DIM vor drei Jahren? 


Durch meine berufliche Tätigkeit an der Technischen Hochschule Rosenheim im Bereich Möbeltechnik stehe ich automatisch im engen Austausch mit Industrie und Handel. Wir haben bei Gesprächen mit Branchenvertretern in den letzten Jahren gemerkt, dass sich die Branche im Bereich Qualität und Produktsicherheit eine schnelle und auch sehr individuelle Unterstützung wünscht. Ich denke, diese Entwicklung rührt daher, dass vor allem auf Grund neuer Technologien, Materialinnovationen und Designentwicklungen die Branche nicht mehr nur auf alt bewährten Pfaden schreitet, sondern sich auf innovative Wege wagt. Und bei eben diesen neuartigen Entwicklungen stellt sich schnell die essentielle Frage nach Qualität und Produktsicherheit. Gleichzeit rückt das Thema Umwelt und Gesundheit immer mehr in den Fokus der Verbraucher. Entsprechende qualifizierte Aussagen werden für den Möbelhersteller also immer wichtiger. Für uns ist es dabei eine große Ehre und Freude, dass wir die Hersteller hier unterstützen können.

Da Möbelprüfung an der Technischen Hochschule in Rosenheim bereits eine über 40-jährige Tradition hat und alle wichtigen Einrichtungen hier am Labor für Möbeltechnik, Möbelkonstruktion und Möbelprüfung vorhanden sind, ist es zum Gründungszeitpunkt im Jahr 2016 naheliegend gewesen, das Institut direkt an der TH Rosenheim anzusiedeln. Im vergangenen Jahr haben wir zusätzlich mit dem eco-INSTITUT in Köln das Kompetenzzentrum „Umwelt und Gesundheit“ als zweiten DIM- Standort ins Leben gerufen, um Produkte zum Beispiel auf gesundheitsrelevante Schadstoffkonzentrationen oder unangenehme Gerüche prüfen zu können.

Wodurch zeichnet sich das DIM aus?  


Ich sehe unsere Stärke in unserer Spezialisierung auf die Möbelbranche. Als kleines Prüfinstitut können wir schnell und sehr flexibel auf die Wünsche bzw. Anfragen der Branche eingehen.
Uns ist es dabei wichtig, dass die Konstrukteurin/ der Konstrukteur, die Mitarbeiterinnen/ die Mitarbeiter der Qualitätssicherung der jeweiligen Unternehmen einen direkten Zugang zu unseren Projektleitern und Prüfingenieuren haben. Durch diese direkte und persönliche Kommunikation sind wir einfach viel schneller und sicherer am Ziel. 
Neben den standardisierten Prüfungen kommt es in der Praxis auch immer wieder zu sehr komplexen und herausfordernden Fragestellungen. Hierbei können wir auch auf das technische Know-how der TH Rosenheim in den relevanten Fachdisziplinen zurückgreifen, angefangen von der Werksstoffkunde, der Holztechnik, der Oberflächentechnik, der Klimatechnik, der Informatik bis hin zur Ergonomie, um nur einige Bereich zu nennen. Es geht aber auch um grundlegende chemische bis hin zu physikalischen Fragestellungen. Die Hochschule Rosenheim ist hier unglaublich breit aufgestellt und unterstützt uns in ganz hervorragender Weise. 
Darüber hinaus benötigen die Unternehmen auch immer wieder Unterstützung bei der Entwicklung von Produkten. Wir leiten diese Anfragen gerne an die Abteilung Forschung und Entwicklung der Hochschule weiter. Die Spezialisten aus den Bereichen Holztechnik, Möbelbau Innenarchitektur und Produktdesign helfen hier immer wieder gerne neue, innovative Lösungen zu finden. Von dieser interdisziplinären Zusammenarbeit profitieren unsere Kunden, aber auch die Studierenden an der TH Rosenheim, deren Ausbildung sich dadurch deutlich profunder und praxisnäher gestaltet. 

Welche Leistungen bietet des DIM seinen Kunden an? 


Unsere Kunden haben einen hohen Anspruch an die Sicherheit und Qualität ihrer Produkte.
Wir prüfen Möbel, Möbelkomponenten und Beschläge aus allen Bereichen. Unser Leistungsspektrum erstreckt sich dabei von Wohn-, Schlafraum-, Bad-, Küchen- bis hin zu Büro- und Objektmöbeln. Als Prüfdienstleister überprüfen wir alle Möbeltypen und Bauweisen, wie z.B. Schränke, Tische, Stühle und Matratzen. Dazu ist es zunächst wichtig, die entsprechenden Anforderungen aus Normen und einschlägigen technischen Regelwerken zu kennen und zu definieren, die später dann auch überprüft werden sollen. Wir bieten unseren Kunden unsere Unterstützung während des gesamten Prozesses der Produktentwicklung mit entwicklungsbegleitenden Prüfungen an. Häufig werden neue Produkte auch erst am Ende der Entwicklung final abgeprüft. Auf diese Weise stellen die Kunden sicher, dass ihr neues Produkt allen sicherheitstechnischen und qualitativen Anforderungen genügt. Dafür führen wir sowohl mechanische Prüfungen als auch Emissions- und Schadstoffprüfungen nach nationalen wie internationalen Standards durch (DIN, EN, ISO, RAL GZ 430, AMK, BS und ANSI/BIFMA). Natürlich gehören dazu auch Spezialprüfungen, wie z.B. die Überprüfung von neuartigen Produkten, die normativ noch nicht erfasst sind. Weiterhin stehen wir unseren Kunden bei der Überprüfung der Ergonomie, der Benutzerfreundlichkeit, der Nutzerakzeptanz (Design, Funktion) und der Produktinformationen wie z.B. Montageanleitungen zur Seite. Neben der Produktprüfung ist auch die Überwachung durch Fertigungsinspektionen bzw. Werksprüfungen ein Dienstleistungsbereich, der bei der Zertifizierung von Produkten von wichtiger Bedeutung ist. 

Welche Zertifikate darf das DIM vergeben? 


Im Bereich B2C hat das „Goldene M“ der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM) eine ganz wichtige Bedeutung in Deutschland. Die Zertifizierung erfolgt hier durch die DGM. Wir führen für den Möbelhersteller hier die notwendigen Prüfungen und Werksaudits durch und bescheinigen ihm bei positiver Prüfung die notwendige Konformität nach der RAL-GZ 430. Darüber hinaus unterstützen wir unsere Kunden auch bei der Erlangung aller bedeutenden Qualitätszertifikate über unsere Partner, vom „Blauen Engel“ ist bis zum Nachhaltigkeitsstandard „FEMB Level“. Wir können über unsere Partner eine unglaubliche Vielzahl aller wichtigen Zertifikaten anbieten. 
Für den B2B-Bereich zertifizieren wir Produkte nach einem speziellen DIM-Prüfprogramm. Dieses Qualitätszertifikat steht für die besondere Güte des Produkts. Außerdem vergeben wir „Bauart geprüft“-Zertifikate, die bestätigen, dass das jeweilige Produkt definierte Normen einhält. 
Neben Möbeln und einzelnen Bauteilen, wie z.B. Beschläge und Matratzen, zertifizieren wir auch ganz spezielle Merkmale eines Möbels. Ende des vergangenen Jahres haben wir beispielsweise umfangreiche Güte- und Prüfbestimmungen für ein Kantenzertifikat festgelegt, welches die Qualität der Laserbekantung nachweist. Ein spannendes Thema für jeden Produzenten der auch Kantenanleimmaschinen mit Laseraggregat von IMA Schelling im Einsatz hat. Diese Bestimmungen definieren sehr klar, welche Anforderungen für die Laserbekantung gelten und wie sie eingehalten werden müssen, um das Kantenzertifikat zu erlangen. Hier spielen neben technischen Produktparametern auch die Prozesse im Unternehmen und im Besonderen an der Kantenanleimmaschine eine wesentliche Rolle. 
Bei all unseren Zertifikaten achten wir darauf, dass die Qualität der zertifizierten Produkte konstant auf Zertifikatsniveau bleibt und überwachen die Produkte bzw. die Fertigungsstätten der Zertifikatsinhaber regelmäßig. So stellen wir sicher, dass wir das Zertifikat ausschließlich an Produkte mit entsprechend nachweisbarer Qualität vergeben. 

Welchen Vorteil hat es für die Unternehmen, diese Prüfungen und Zertifizierungen vom DIM durchführen zu lassen? 


Wir begleiten unsere Kunden durch den gesamten Prüfprozess. Insbesondere bei Innovationen und technischen Neuerungen stehen wir rasch und effizient zur Seite. Und auch wenn die Prüfergebnisse anders als gewünscht ausfallen, geben wir unseren Kunden Orientierung und Vertrauen. 
Unser Wissen, unsere Prüfungen und Zertifizierungen aber auch unsere Schulungen sollen unserem Kunden und Partnern maßgebliche Erfolgsfaktoren sein. Wir arbeiten dabei schnell, direkt, individuell und persönlich mit den Ansprechpartnern in den Unternehmen zusammen. 
Und auch im Notfall stehen wir unseren Kunden sofort mit Rat und Tat zur Seite. Nicht jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, alle Produkte prüfen zu lassen. Und sollte trotz der im Unternehmen festgelegten Maßnahmen zur Risikominimierung doch einmal ein Schadensfall in der Praxis auftreten, ist es uns wichtig, diesen mit der nötigen Ruhe zu analysieren. Darauf basierend erstellen wir schnellstmöglich eine solide Entscheidungsgrundlage für das weitere Vorgehen im Unternehmen. 

Was gehört sonst noch zum Dienstleistungsangebot des DIM? 


Wir bieten neben den Produktprüfungen und -zertifizierungen auch einen aktiven Wissens- und Technologietransfer an. Zum einen arbeiten wir in allen wichtigen DIN- und CEN- Normungsausschüssen mit und bringen so unser Wissen in die Entwicklung neuer Standards und Weiterentwicklung der bestehenden Branchen-Standards mit ein. Parallel dazu klären wir unsere Kunden über geltende Sicherheitsbestimmungen auf oder informieren über sicherheitsrelevante Prüfungen bei Produktneuentwicklungen. Dieser Service erfolgt in der Regel ganz unbürokratisch und einfach - telefonisch oder per E-Mail. Darüber hinaus geht es auch immer wieder um die Entwicklung von neuen Prüfmethoden, um spezielle Produktmerkmale nachweisen zu können oder auch um erste Risikoanalysen, um mögliche Risiken von Produkten schnell zu erkennen oder auch für die CE- Zertifizierung von speziellen Möbel-Produkten, die unter die Maschinenrichtlinie fallen (z.B. elektrisch verstellbare Fernsehsessel oder Lattenroste). 

Daneben bieten wir Workshops und Weiterbildungsmaßnahmen häufig auch mit unseren Partnern an. Unsere Themenbereiche erstrecken sich von bestimmten Produktgruppen bis hin zu speziellen Fragestellungen der Ergonomie, der Qualität und der Produktsicherheit. Im Zentrum steht in der Regel immer die Frage, welche Anforderungen gibt es bei verschiedenen Möbelprodukten, wie z.B. Polstermöbel und Matratzen und wie werden Qualitäts- und Sicherheitsmerkmale gemessen bzw. nachgewiesen. 

Für April und Oktober 2020 sind Seminare zu Umwelt und Gesundheit geplant. Je nach Themengebiet variieren die Zielgruppen für unsere Seminare und Schulungen; Qualitätsingenieure, Entwickler und Konstrukteure aber auch Möbelsachverständige zählen ebenso dazu wie Entscheider aus dem Management von Möbelindustrie und -handel.

Was haben Sie für die Zukunft des DIM
geplant? 


Ganz aktuell freuen wir uns auf die anstehende Akkreditierung durch die Zentralstelle für Sicherheit als Prüf- und Zertifizierungsstelle. Bei erfolgter Akkreditierung können wir als DIM für Möbel auch das GS-Zertifikat vergeben. Das GS-Zeichen steht für „geprüfte Sicherheit“ und ist insofern etwas Besonderes, da es das einzige gesetzlich geregelte Zeichen in Europa ist, das die Sicherheit von Produkten nach dem Produktsicherheitsgesetz ausweist. Aktuell durchlaufen wir den Akkreditierungsprozess. Die Unterlagen sind eingereicht, das Audit steht kurz bevor. Wir gehen davon aus, dass die Akkreditierung im zweiten Quartal 2020 erfolgt.
Überdies werden wir uns noch in diesem Jahr innerhalb der Hochschule räumlich deutlich vergrößern, personell leicht zulegen und uns weiteren F+E-Vorhaben widmen, mit denen wir erforschen, wie man Produkteigenschaften überprüfen oder messen kann, für die es momentan noch keine Prüfgrundlagen gibt.

Solution - Das Zukunftsmagazin

 

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